Der Kantonsrat hat heute mein
Postulat zur Renaturierung der Töss überwiesen. Der Regierungsrat muss nun zu den Forderungen Stellung nehmen.
Statement im Kantonsrat:
Vor rund 150 Jahren wurde die Töss begradigt. Zusätzlich wurden auch die Seitenbäche ausgebaut. Seit dieser Zeit fliesst die Töss langweilig vor sich hin, frisst sich in den Untergrund und bietet Tieren und Pflanzen eine nur sehr bescheidene Lebensgrundlage.
Im Linsental bei Winterthur führte der daraus resultierende Rückgang des Geschiebeeintrags zu einer starken Erosion und zu einer Absenkung der Sohle. Weiter sind die Verbauungen, vor allem die hölzernen Querschwellen, in einem schlechten Zustand.
Vor einigen Jahren dann wurden zwei leider sehr kurze Flussabschnitte renaturiert.
Die Ergebnisse dieser Renaturierung sind für den Fluss, die Umwelt und die Tiere sehr ermutigend, und das Trinkwasser wird in keiner Weise gefährdet.
Mehr ist leider nicht mehr passiert. Laut den kantonalen Chefbeamten konnten und könnten keine weiteren Etappen mehr umgesetzt werden, weil es an personellen Ressourcen fehlen würde.
Die Töss ist der wichtigste Naherholungsraum für die Winterthurer Bevölkerung und im Speziellen für die Tössemer Bevölkerung. Nun zeigt sich, dass gerade die renaturierten Flussabschnitte besonders attraktiv sind. Sie werden von der Bevölkerung sehr gerne aufgesucht. Diese Plätze sind sehr attraktiv. An den anderen Stellen ist der Zugang zum Wasser wegen den Längsverbauungen praktisch unmöglich und auf vielen Abschnitten ist der Aufenthalt im und am Wasser sogar lebensgefährlich.
Immer wieder kommen in der Töss und vor allen bei ihren extrem gefährlichen Schwellen Menschen ums Leben. Auch dieses Jahr mussten wir ein weiteres Opfer beklagen. Die Strudel unter den Schwellen sehen harmlos aus, werden aber zu brutalen Todesfallen, wenn jemand hineingerät.
Im Hinblick auf das Projekt der Stadt Winterthur zur Umgestaltung des Gebiets Reitplatz sollte die Revitalisierung dieses Teilstücks der Töss nun endlich vorangetrieben und mit der Stadt Winterthur koordiniert werden. Dies brächte der Natur und den Menschen einen grossen Mehrwert und es könnten Synergien beim Bau genutzt werden. Gleichzeitig könnte die Sicherheit der Menschen erhöht werden, indem gefährliche Schwellen entfernt würden.
Ein Konzept zur Renaturierung liegt schon seit Jahren vor und müsste nur noch weiter umgesetzt werden, entspricht doch die Aufwertung der stark verbauten Töss einem Hauptziel des kantonalen Naturschutzkonzeptes.
Wegen den Vorgaben aus dem Naturschutzkonzepts und auch, weil die Wiederherstellung und der Unterhalt der Schwellen hohe Kosten verursachen, erarbeitete das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) zusammen mit einem Planungsbüro vor rund zehn Jahren ein Konzept, gemäss dem die Töss im Linsental langfristig auf der gesamten Länge von gut vier Kilometern naturnah gestaltet werden soll. Mit der Umsetzung des Konzepts wollte der Kanton den monotonen Flusslauf attraktiver gestalten, den Geschiebeeintrag der Töss erhöhen, die Tiefenerosion vermindern.
Seit bald 15 Jahren ist die Renaturierung der Töss also ein Hauptziel im kantonalen Naturschutzkonzept. Und seit 15 Jahren sei also die Realisation am Mangel an personellen Ressourcen gescheitert?
Egal ob es dem Kanton finanziell sehr gut oder zwischenzeitlich auch nur gerade gut ging, immer hatte die Regierung zu wenige Ressourcen zur Verfügung gestellt, um die Hauptziele des Naturschutzkonzeptes auch nur annähernd umzusetzen?
Nun, die Konzepte für die Töss stehen bereit, die Wichtigkeit der Renaturierung ist erkannt, die Ergebnisse der ersten Pilot-Renaturierung sind für den Fluss, die Umwelt und die Tiere ermutigend , der Zeitpunkt ist ideal, der langfristige, finanzielle Benefit für den Kanton ist ausgewiesen und der reale Gewinn an Lebensqualität für die Bevölkerung von Winterthur und Umgebung ist bewiesen.